Liebe Leserin, lieber Leser!

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ (Epheser 2, 19)

Dieser Wochenspruch zeigt ein großartiges Privileg: Christen sind nicht mehr Fremdlinge oder Gäste, sondern gehören voll dazu.

Das will ich erläutern: Wer Christ ist, der ist ein Heiliger. Vielleicht staunen Sie jetzt und fragen sich: Ein Heiliger? Ich lebe doch in keinem Kloster und bin nicht so berühmt wie Franz von Assisi oder Mutter Theresa. Heilig ist für uns etwas ganz Besonderes, ja nahezu Unerreichbares.

Und doch, so trägt uns der Wochenspruch auf, sind Christen Heilige. Paulus schreibt in seinen Briefen „an die Heiligen in Rom“ oder „an die Heiligen in Korinth“. Heilig sein im biblischen Sinne bedeutet: ausgesondert sein von und für Gott. Wer zu Gott gehört, der ist heilig und lebt im Bereich Gottes.

Aus Erfahrung wissen wir aber auch, dass Christsein nicht heißt, in allen Belangen perfekt oder unfehlbar zu sein. Luther hat das einmal treffend so beschrieben: „Der alte Adam ist ersäuft, d. h. durch Jesus besiegt. Aber das Biest kann schwimmen.“

Der alte Adam schlägt im Alltag immer wieder durch. Wir sollen darauf achten, dass er sich durchsetzt. Aber ganz eindämmen werden wir ihn nicht, wenn wir ehrlich sind. Trotzdem gehören Christen zur Gemeinschaft der Heiligen, wie es im Apostolischen Glaubensbekenntnis ausdrücklich heißt. Und Christen sollen so leben, dass es Gott gefällt. Man spricht daher zurecht von der Heiligung.

Unser Wochenspruch bringt das kurz und präzise auf den Punkt: Wir sind Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

Das heißt: Wir gehören zur Familie Gottes. Wer Jesus nachfolgt, wird automatisch in Gemeinschaft mit anderen Christen aufgenommen und weiß sich gut aufgehoben. Gerade jetzt in Corona-Zeiten ist es gut zu wissen: Da gibt es andere Christen, die an einen denken, auch wenn man sie nicht sehen kann. Im Gottesdienst wird für die Einsamen und Traurigen gebetet. Man ist nicht vergessen.

Wir bilden eine Gemeinschaft, ja im Grunde genommen eine große Familie. Darum spricht man auch von den Schwestern und Brüdern im Glauben. Vorbild ist Jesus selber, der von seinen Jüngerschaft als seiner Familie sprach.

Gott ist uns nicht mehr fremd, weil Jesus ihn uns nahegebracht hat. Wir dürfen Gott sogar mit Vater anreden im Vaterunser. Welch ein Privileg! Welch ein Vertrauen! Gott ist uns nicht mehr fern, sondern ist uns ganz nah. Wie bei einem leiblichen Vater dürfen wir ihm alles vortragen an Freud und Leid, Bitte und Fürbitte. Gott hört geduldig zu.

So gesehen ist es wunderbar, zur Gemeinschaft der Heiligen und Gottes Hausgenossen zu gehören. Danken wir Gott für seine Liebe und unsere herzliche Aufnahme bei sich.

Seien Sie behütet! Gott befohlen.

Ihr Pfarrer Martin Gohlke

(18.07.2021)